Jesus, lädiert

Liebe Gemeinde,

es ist Palmsonntag, 10:30 Uhr und eigentlich säße ich jetzt in der Kirche beim Gottesdienst. Stattdessen sitze ich zu Hause in unserem Wohnzimmer und vor mir mein Laptop. Um 11:00 Uhr beginnt der nicht öffentliche Gottesdienst im Osnabrücker Dom live übertragen im Internet. Gleich zünde ich eine Kerze an, Buchsbaumzweige habe ich mir aus dem Garten geholt. Alles ist anders in diesen Wochen, und in der vor uns liegenden Karwoche wird noch einmal alles ganz anders sein als wir es als Christen kennen. Wer hat je daran gedacht, so die Heilige Woche zu feiern. Niemand seit der Auferstehung Christi!

Letztens sagte eine Frau zu mir: „Ostern fällt bei uns dieses Jahr aus.“ Liegt es an uns, ob Ostern geschieht? Jedenfalls hat mich diese Frage dazu bewogen darüber nachzudenken, wie ich die Karwoche und das Osterfest verbringen/feiern möchte. Da wurde mir erst einmal bewusst, auf was ich alles verzichten muss, was in diesem Jahr nicht geht – und ich muss Ihnen ehrlich sagen, da kamen mir erstmal die Tränen. Ich kann mir vorstellen, dass ich damit nicht alleine bin.

Wie es so oft ist, wird uns erst in der Entbehrung bewusst, was wichtig ist und wir erkennen erst dann den Wert dessen, wenn wir es vermissen. So bergen Verzicht und Entbehrung auch Chancen Neues zu entdecken, Verlorengegangenes wieder zu finden und die Zeit anders zu nutzen: vielleicht nehmen wir seit langem wieder wahr wie schön es ist, wenn im Frühling die Natur erwacht und alles beginnt zu blühen, zu zwitschern … vielleicht haben wir Zeit gute Gespräche zu führen, Gemeinschaft auf neue Weise zu erfahren …

Vielleicht nehmen wir uns Zeit das Gespräch mit Gott zu suchen, offen zu sein für sein Reden, gerade auch in diesen Tagen, die vor uns liegen … Vielleicht nehmen wir uns Zeit Jesus auf seinem letzten Weg ans Kreuz zu begleiten, indem wir die Texte der Schrift vor unserem inneren Auge lebendig werden lassen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Es ist ein Liebesdienst an Jesus und an der ganzen Menschheit gerade in dieser Zeit zu wachen, da zu sein, hinzusehen, zu glauben und zu hoffen. Denn als Christen feiern wir am Ende der Nacht, den Sieg des Lebens über den Tod. Wir feiern das Erlösungswerk Jesu Christi.

Und das ist sicher: es wird ein Ostern geben, auch in diesem Jahr!

Claudia Suffner

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