Jesus, lädiert

Die Heilige Woche

Die Bräuche und Riten der Heiligen Woche (gesegnete Palmzweige, Prozessionen, Kreuzverehrungen usw.) wollen uns helfen, das Geheimnis von Leben, Tod und Auferstehung Jesu mit Herz und Verstand besser zu verstehen. In der Feier der Eucharistie können wir in dieses Geheimnis eintreten und im eucharistischen Brot Gemeinschaft mit Jesus haben.

Diese Bräuche und Riten können wir in diesem Jahr nicht begehen. Wir können uns in diesem Jahr nicht versammeln, um das letzte Abendmahl zu feiern und mit Jesus zu wachen und zu beten. Wir können uns in der Todesstunde Jesu nicht versammeln und wir können in der Osternacht nicht zusammenkommen, um zu wachen und dem Auferstandenen in der Feier der Eucharistie zu begegnen.

So können wir die Heilige Woche begehen

Doch es hindert uns niemand daran, am Abend des Gründonnerstag, wo immer wir gerade sind, allein oder mit den Menschen, die um uns sind, innezuhalten und an die Ereignisse im Abendmahlssaal und in Gethsemane zu denken. Wir können am Freitagnachmittag in der Todesstunde Jesu beten und wir können in der Osternacht eine Nachtwache halten und uns über die Auferstehung freuen. Natürlich ist es schöner und entspricht es unserer Sendung als Christen und als Kirche, diese Feiern gemeinsam zu begehen. Doch wenn wir das jetzt nicht tun können, so können wir doch unseren Glauben an diesen Mann aus Nazaret und unsere Verbundenheit mit ihm zum Ausdruck bringen.

Die Zusage Jesu

Jesus hat uns zugesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt. Auch die Einschränkungen dieser Wochen können uns nicht von Jesus trennen. Der Apostel Paulus formuliert diesen Gedanken in seinem Brief an die Römer: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,35.37-39) Ich finde, diese Zuversicht darf auch in diesen Tagen und unter diesen Bedingungen bei uns Christen spürbar werden.

Weil wir uns lieben halten wir Abstand!

Zur Erinnerung: Soziale Kontakte zu meiden und sich nicht zu versammeln ist in diesen Tagen ein Liebesdienst an den Menschen! Manchmal fordert Jesus von uns nicht ein Tun, sondern ein Lassen. Es geht nicht darum, sich selbst vor einer Krankheit zu schützen. Es geht darum, die Infektionsketten zu unterbrechen und dadurch die von dem Virus besonders bedrohten Menschen zu schützen. Deshalb haben wir als Kirche Maßnahmen ergriffen und Gottesdienste und Versammlungen abgesagt, bevor staatliche Stellen entsprechende Verbote ausgesprochen haben. Jemanden zu lieben bedeutet, zu wollen, dass es ihm gut geht und für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen. Weil wir uns lieben halten wir Abstand!

Peter Grunwaldt

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