Jesus, lädiert

Predigt zu Ostern 2020

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus Christus,

das Virus SARS-CoV-2 hat Deutschland und weite Teile der Welt fest im Griff. Leider geht die Zahl der erkrankten Menschen noch nicht zurück. Das zur Zeit wirksamste Mittel gegen das Coronavirus sind wir selbst, indem wir soziale Kontakte meiden und Abstand halten. Diese Ausnahmesituation führt uns in unserer Kirchengeschichte dazu, dass wir auf eine ungewöhnliche Weise in der leeren Kirche das diesjährige Osterfest feiern.

Liebe Gemeinde!

Was ist der größte Beweis der Auferstehung Jesu? Das leere Grab? Nein! Ich glaube, die Kirche oder wir sind der größte Beweis der Auferstehung Jesu. Die Jünger haben wirklich die Auferstehung in ihrem Leben ganz persönlich und tief erfahren und sie haben diese Erfahrung weitergegeben und damit begann die Kirche.

Wie konnten so einfache Menschen, meist Analphabeten, im Angesicht des Todes Jesu bezeugen? Alles und alle waren gegen sie. Die Juden, d.h. die eigenen Leute, die Römer, die Könige und alle. Ihnen begegnete überall Hass und Unverständnis. Aber nichts konnte die Jünger stoppen, weil ihre Macht und ihre Kraft aus ihrer eigenen Erfahrung der Auferstehung Jesu kam. Ohne Auferstehung wäre Jesus nichts. Sein Leben hätten die Junger als gescheitert angesehen und wären ihm nicht weiterhin nachfolgt.

Die Jünger haben die Erfahrung der Auferstehung Jesu persönlich erlebt. Wie können wir diese Auferstehung erleben? Blicken wir auf die Frauen im Evangelium. Sie haben den Mut, an diesen Ort der Trauer zurückzukehren. Sie suchen ihren Herrn und halten stand am leeren Grab.

Das ist auch für uns der erste Schritt, wenn wir dem auferstandenen Jesus begegnen wollen. Meistens wenn etwas in unserem Leben schief läuft, dann will man vielleicht die Kirche oder auch Gott verlassen. Doch ein Weglaufen ist die einfache Lösung, wogegen ein Standhalten uns die Begegnung mit Jesus ermöglichen kann.

Angesichts von Tod und Trauer haben die Frauen die Hoffnung auf Gott nicht verloren. Den Leichnam Jesu finden sie nicht. Aber die Engel am Grab sagen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Dieser Satz ist der Hinweis auf den auferstandenen Jesus. Ihre Trauer wird verwandelt in Freude.

Ist das auch so in unserem Leben? Manchmal dauert die Karwoche, die Zeit der Trauer wie z. Bsp. die Coronavirus-Krise, Einsamkeit, Krankheit, Verlassenheit, Tod von lieben Menschen und und… ein bisschen länger und die Auferstehung erfahren wir oft später. Aber dass wir den Mut nicht verlieren, das ist wichtig. Auch wir brauchen heute die Begegnung mit dem lebendigen Jesus.

Die Frage aber bleibt: Wie kann ich den lebendigen Jesus erfahren? Vielleicht rufst du heute jemanden an, der dir ein freundliches Wort sagt, das dich ermutigt und aufbaut. Auf einmal spürst du: hier redet nicht einfach ein Mensch, sondern hier spricht der auferstandene Jesus in dem Menschen zu mir. Der Retter könnte jeder sein, der die Ausbreitung von Covid-19 durchbricht. Das kann ein Mensch sein, der/die in der Pflege, in der Apotheke, im Krankenhaus, im Labor, in der Politik, bei den Ehrenamtlichen als Helfer und Helferin arbeitet. Es kann ein Mensch sein, der vor dem Altar steht oder jemand, der Zuhause sitzt und betet.

Eine Frau in meinem Heimatland hat mir von solch einer Erfahrung erzählt. Ihr Mann war plötzlich sehr jung verstorben. Zu Ostern konnte sie die Auferstehung überhaupt nicht nachvollziehen. Einige Tage später besuchte der Pastor sie. Er sagte ihr, dass auch er nicht alles verstehe. Er hat ihr einfach zugehört und an ihrer Trauer teilgenommen. Das war für sie ein Anfang, Auferstehung zu begreifen.

Vielleicht begegnest auch du in den nächsten Tagen einem Menschen, der in Not ist. Dann denkst du: In diesem Notleidenden begegnet mir der Auferstandene. Oder du liest in der Bibel ein Wort, dann merkst du, dass der Auferstandene zu dir spricht. Wenn wir so bewusst leben, können wir den Auferstandenen und damit Ostern in unserem Alltag erleben. Jesus ist auferstanden. ER lebt durch uns, für uns und mit uns auch in der Zeit des Corona-Virus. Amen.

P. Jose Alex CMI

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